Grainau erhöht vo 15 auf 20 %

Kommunalfreund @, Samstag, 27.11.2021 (vor 53 Tagen)

Zweitwohnungssteuer: Grainau folgt Trend im Voralpenraum
Grainau: Mit Steuern gegen den Wohnungsmangel

Andreas SeilerVonAndreas Seiler

Es ist ein bekanntes Problem mit sozialem Sprengstoff: Zweitwohnsitze. Grainau reagiert und hebt die Zweitwohnungssteuer deutlich an. Die Gemeinde unter der Zugspitze folgt damit einem Trend.

Grainau – Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist beliebt – entsprechend viele Zweitwohnungen gibt es. Nach Angaben der Zugspitz Region GmbH sind es mittlerweile rund 4000. Für die Kommunen stellt dies ein gewaltiges Problem dar – erst recht in Zeiten des ohnehin schon angespannten Immobilienmarktes. Denn Einheimischen fällt es zunehmend schwerer, eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Das Thema birgt sozialen Sprengstoff. Doch wie lässt sich die Entwicklung stoppen? Ein beliebtes Instrument der Abschreckung, zu dem immer mehr Gemeinden greifen, ist die Zweitwohnungssteuer. Das Ziel: Ein Feriendomizil zu erwerben, soll dadurch unattraktiver werden. 12 der insgesamt 22 Landkreis-Gemeinden machen davon Gebrauch – und schrauben die Sätze fleißig nach oben. Jüngstes Beispiel: Grainau. Der Gemeinderat des Zugspitz-Dorfs beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig, die Zweitwohnungssteuer rückwirkend zum 1. Januar 2020 von 15 auf 20 Prozent – bezogen auf eine angenommene Jahreskaltmiete – anzuheben. „Wir erhoffen uns davon eine Lenkungswirkung“, sagt Bürgermeister Stephan Märkl (CSU). Das heißt: Eigentümer sollen dazu gebracht werden, eine Unterkunft doch lieber zu vermieten. „In Grainau herrscht Wohnungsknappheit“, sagt der Rathauschef. Vor allem junge Familien bekämen diese zu spüren. Abhilfe soll ein Mietwohnbauprojekt des Katholischen Siedlungswerks bringen.
Grainau: Derzeit rund 250 Personen mit Nebenwohnsitz

Der Urlaubsort schob bereits Anfang der 1990er Jahre dem Zweitwohnungstrend einen Riegel vor: Seitdem dürfen bei Neubauvorhaben keine Eigentumswohnungen gebildet werden. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Der 3500-Einwohner-Ort in Bestlage wäre sonst schon längst ein zweites Tegernsee. Wieviel Geld die besagte Steuererhöhung in den Gemeindesäckel spült, lässt sich noch nicht genau sagen. Bislang brachte diese um die 180 000 Euro pro Jahr. In Grainau leben derzeit rund 250 Personen mit Nebenwohnsitz.